Atemwegserkrankungen auf dem Vormarsch


Die Pollenflugzeit von April bis August bringt einmal mehr schmerzlich ans Licht:  Allergien bleiben auf dem Vormarsch; Atemwegserkrankungen, insbesondere das Asthma, steigen konstant an! Und sie treten immer früher auf: Immer häufiger erkranken bereits kleine Kinder an Asthma – besonders an allergischem Asthma. Das beobachtet auch der Dermatologe und Allergologe Dr. Gerhard Freise, Oberarzt hier bei uns in der Klinik Ostseedeich.
Mit speziellen Therapien werden dort während einer Eltern-Kind-Kur Asthma-Patienten behandelt. Und das allergenarme Reizklima an der Ostsee tut sein Übriges dazu, heilsame Linderung zu bewirken.
Warum die Allergie-Häufigkeit zunimmt und Atemwegserkrankungen auf dem Vormarsch sind, erläutert Dr. Freise im Interview.

 

Warum ist gerade die Pollenflugzeit für Allergiker fatal?

Dr. Freise: Allergisches Asthma ist eine Überreaktion auf eigentlich ungefährliche Stoffe wie eben Blütenpollen, aber auch Tierhaare oder andere Stoffe aus der Umwelt. Die Atemwege antworten mit heftiger Abwehr darauf, während das Immunsystem gesunder Menschen diese Stoffe ignoriert. Übrigens: Häufig ist die Pollenallergie auch mit Nahrungsmittelallergien vergesellschaftet, z. B. Birkenpollen mit Äpfeln, Nüssen, Steinobst und Erdbeeren.

Warum leiden immer mehr Menschen an Atemwegserkrankungen?
Dr. Freise: Diese Asthma-Häufigkeit haben wir selbst zu verantworten, denn die Überreaktion des Immunsystems auf normalerweise harmlose Stoffe rührt daher, dass das Immunsystem in der Kindheit häufig nicht richtig aufgebaut wird.

Was sind die Ursachen dafür?
Dr. Freise: Der Grund liegt zum einen in der übermäßigen Hygiene. In Ländern mit niedrigem Hygienestatus ist Asthma wie auch andere Autoimmunerkrankungen kaum bekannt. Auch Kinder, die auf dem Bauernhof aufwachsen, haben seltener allergische Erkrankungen als Stadtkinder. Sprüche wie „Dreck reinigt den Magen“ oder „die dreckigsten Kinder sind die Gesündesten“ haben also durchaus einen wahren Kern.
Auch die vermehrte Gabe von Antibiotika bei Kindern, oft ohne Vorliegen einer bakteriellen Erkrankung (bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Grippalen Infekten), führt schlussendlich zu einer Fehlsteuerung des Immunsystems.

Welche Rolle spielen Umweltbelastungen?
Dr. Freise: In der Tat ist die Umweltverschmutzung mit Feinstaub mit ursächlich für das vermehrte Auftreten von Asthma-Erkrankungen. Dieselabgase, NO2, spielen dabei eine besondere Rolle. Denn das NO2 geht mit den Pollen der Pflanzen eine Verbindung ein, wodurch die Pollen aggressiver reagieren und eine Abwehrreaktion der Bronchialschleimhaut in Form einer Entzündung ausgelöst wird.

Was kann man zur Vorbeugung von allergischem Asthma tun?
Dr. Freise: Die oben genannten Gründe beachten und bei Allergien in der Familienanamnese Tiere meiden, keine Katzen halten. Bei Hunden sieht das etwas anders aus. Studien in den USA konnten zeigen, dass weniger Allergien auftreten, wenn das Kind schon als Säugling mit einem Hund aufwächst. Bei Katzen trifft das leider nicht zu.

Wie werden Atemwegserkrankungen an der Eltern-Kind-Klinik Ostseedeich behandelt?

Dr. Freise: Unser Therapieprogramm für große und kleine Asthma-Patienten sieht während des dreiwöchigen Kuraufenthalts u.a. Atemtherapie und -gymnastik vor, Sole-Inhalationen, eine spezielle Asthma-Schulung – und natürlich unsere Klima-Therapie im besonders allergenarmen Reizklima an der Ostsee. Denn die exzellenten Klimafaktoren an der Ostsee mit ausgeglichenen Temperaturen, maritimem Aerosol und der sauberen Luft bieten ideale Bedingungen zur Stabilisierung, weil sie nachhaltig die Abwehrkräfte stärken.