Bericht aus "Krümelchen" - KEKS e.V.

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Boris Klein, Kurteilnehmer der Schwerpunktkur "KEKS":
- freundlicherweise zur Verfügung gestellt von "Krümelchen" - KEKS e.V.. Weitere Informationen unter www.keks.org -

Als jemand, der eine Vater-Kind-Kur in Anspruch genommen hat, bin ich ein Exot und außerdem der erste bei einer KEKS- Kur. Es wird einem auch nicht leichtgemacht als Vater. Bei meinem ersten „klassischen“ Kur-Antrag sagte mir der Mitarbeiter der Krankenkasse, dass ich gar keinen Anspruch erheben könnte, ich sei schließlich nicht die Erziehungsperson zuhause mit den überwiegenden Zeitanteilen. Das bringt die Berufstätigkeit so mit sich, insbesondere als Hauptverdiener!

Ich war immer davon ausgegangen, dass diese Kuren auch Eltern-Kind-Beziehungen betrachten sollen. Dann wäre die Bedürftigkeit bei berufstätigen Vätern, die die Kinder seltener sehen, doch gerade gegeben! Glücklicherweise habe ich später als Begleitperson meiner Frau  (siehe Krümelchen 59/ Nov. 2016) unter Opferung eines Großteils des Jahresurlaubes die KEKS-Kur kennengelernt und mir fest vorgenommen, meinen eigenen Kurantrag bei nächster Gelegenheit auszufechten. Und so kam es auch: Ablehnung des ersten Antrags, Widerspruch, dann Termin beim Medizinischen Dienst MDK. Entgegen meiner Erwartungen anerkannte der Gutachter, dass der monatelange Aufenthalt im Krankenhaus mit Operationen direkt nach   der Geburt unseres Ältesten sowie die weiteren Behandlungen in den folgenden sechs Jahren, belastend sind und eine Psychosomatik verursachen können. Das stand gar nicht zur Diskussion und er interessierte sich mehr für das Schicksal unseres Sohnes. Der Kur stand dann nichts mehr im Wege.
Als Fazit kann ich allen Vätern raten, den Weg durch die Instanzen zu gehen. Rechtzeitige Antragsstellung ist aber Voraussetzung für die KEKS-Kur, die nur einmal im Jahr stattfindet. Allerdings weiß ich auch, dass in der freien Wirtschaft die Bedingungen nicht immer gegeben sind, dass Väter es wagen einen Antrag zu stellen, ohne damit ihren Job zu gefährden.

Leichter Einstieg

Endlich in Grömitz angekommen, waren die Erfahrungen, die ich als Begleitperson ein Jahr zuvor gesammelt hatte, vorteilhaft. Alles war bekannt, der Einstieg schnell erfolgt. In relativ kurzer Zeit nochmal Austausch mit anderen KEKS-Eltern zu haben, ist besonders hilfreich und die positiven Effekte daraus empfand ich intensiver.
Mein Eindruck war, dass im Gegensatz zu den anderen Kur-Teilnehmern die KEKS- Eltern schnell und dauerhaft zu einer Gemeinschaft finden und nicht als Einzelkämpfer auftreten, was zum Beispiel auch am Buffet deutlich werden kann. Ich bin mir sicher, dass „socializing“ auch zu einem positiven Kur-Erfolg beiträgt.

KEKS-Eltern haben Verständnis, wenn andere KEKS-Kinder häufig husten oder beim Essen Steckenbleiber haben. Die Mahlzeiten sind von diesem Aspekt her entspannter als in einem Restaurant, man sitzt als kompakte KEKS-Gruppe im Speisesaal.
Zum ersten Mal in einer KEKS-Kur stand uns mit Annegrete Flöck, eine KEKS-Mutter ehrenamtlich zur Seite, um denjenigen zu helfen, die ein akut krankes Kind zu versorgen hatten oder eine Kinder- Frei(e)zeit benötigten. Das ist gerade bei KEKS-Kindern eine Super-Idee!
Ich kann diese Kur rundherum empfehlen. Ich war schon mal Begleitperson bei einer „klassischen“ Mutter-Kind-Kur an einem anderen Ort, nach der ich mich ernsthaft gefragt hatte, was das Ganze sollte. Hier in der Klinik Ostseedeich (nicht zu verwechseln mit der Ostseeklinik nebenan!) war alles anders: Eine super Kinderbetreuung, sei es die Tages-Betreuung oder spätes Kinderprogramm, in die unsere Kinder gerne hingingen. Kaum krankheitsbedingte Ausfälle bei den verordneten Anwendungen. Auch wenn ich nicht zu- sondern abgenommen habe, war das Essen sehr gut. Ersteres spricht eben für das Anwendungs-Programm.
Dieses wird individuell zusammengestellt je nach Indikationslage. Mir persönlich waren die klassische Massage und der Hydro-Jet, ein Massage-Wasserbett, wichtig. Aber selbst mit Nordic Walking konnte ich mich anfreunden. Der Ostseestrand ist eine perfekte Kulisse. Wirbelsäulen-Gymnastik und Wasser-Gymnastik sorgten für Rückenstärkung, die sich am Ende deutlich bemerkbar gemacht hat. Man kann jederzeit Änderungen an der Programmzusammenstellung vornehmen lassen. Man sollte als Neuling frühzeitig sein Programm an die eigenen Bedürfnisse anpassen, ob man zum Bespiel lieber mehr oder weniger Anwendungen hätte, oder doch mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchte. Die drei Wochen können schnell rum sein.

KEKS-spezifischer Rat

Bei der psychologischen Betreuung kann man zwischen KEKS-Gruppen-Gespräch, Einzelgespräch oder Paargespräch wählen. Es geht auch alles zusammen! Was diese Schwerpunktkur von einer „normalen“ Kur auch unterscheidet sind spezifische Informationen. Professor Matthias Kopp, ein KEKS-erfahrener Kinderpneumologe am Universitätsklinikum war erneut aus Lübeck gekommen, um über die häufig auftretenden Lungenfehlbildungen (Stichwort Tracheomalazie) bei KEKS-Kindern zu referieren.
Zum ersten Mal war Frau Dr. Kohl dabei, eine Gastroenterologin vom Universitätsklinikum Lübeck, um über Magen-Reflux zu informieren. Beide gaben im Anschluss noch persönliche Sprechstunden, die einem Gelegenheit boten, auf die eigene spezielle Situation eingehen zu können und gegebenenfalls eine zweite Meinung einzuholen.

Mit erfahrenen KEKS-Kur-Gängerinnen über Optimierungen der Kur zu diskutieren ist spannend. So kann man zu einer Steigerung des Kurerfolges zukünftiger Teilnehmer beitragen.

Mein persönliches Fazit: Ich bin aus dieser Kur entspannter und gestärkt, auch was die Situation mit der Krankheit unseres Sohnes angeht, herausgegangen.